Vorsicht mit den amerikanischen Schnurlostelephonen DECT 6.0!
(Prag, 18. Mai 2011) Haben Sie sich im Laufe des letzten Jahres auch ein DECT-Gerät besorgt? Wie, Sie wissen nicht um was es sich hierbei handelt? Bei einem DECT-Gerät handelt es sich meistens um ein Schnurlostelephon, ein Headset oder um ein Babyphone. Und nun zum Thema, warum man bei diesen Geräten wirklich aufpassen sollte: Im Fall, dass so ein Gerät mit DECT 6.0 gekennzeichnet ist, kann es nämlich die Netze der verschiedenen Mobil-Anbieter stören, und das könnte Probleme bedeuten...
Was bedeutet eigentlich DECT-Technologie?
Es handelt sich um Draht- oder Schnurlostelephone für Festnetz-Anschlüsse. Die DECT-Technologie (Digital Enhanced Cordless Telecommunication, oder früher Digital European Cordless Telephony) hat sich in Europa massiv ab Ende des Jahres 2005 verbreitet und in der Tschechischen Republik hat sie vollkommen die früheren Schnurtelephone CT1, CT1+ und CT2 ersetzt. Die Anwendung der DECT-Technologie beschränkt sich nicht nur auf Drahtlostelephone, es kann sich bei dieser Bezeichnung durchaus um andere Drahtlosgeräte handeln. Die europäische DECT arbeitet im Frequenzband 1880 - 1900 MHz, also in einem Frequenzband, das in ganz Europa frei ist.

In wie fern ist DECT 6.0 anders und was für Risiken bedeutet dies?
DECT 6.0 ist die amerikanische Variante des europäischen DECT (obwohl die Amerikaner behaupten, dass das europäische System von ihrem abgeleitet wurde). Es handelt sich hier wieder um Drahtlostelephone für Festnetz-Anschlüsse, aber das Funksignal zwischen dem schnurlosen Hörer und der Basisstation ist auf einer anderen Frequenz. Das hier verwendete Frequenzband 1920 - 1930 MHz ist aber in ganz Europa für UMTS* reserviert, d. h. für die Netze der Mobil-Anbieter. Aus diesem Grund kommt es bei der Verwendung von drahtlosen DECT 6.0 Telefonen zu Störungen der UMTS-Netze.

*Universelles mobiles terrestrisches System für Kommunikation in Bewegung, englisch Universal Mobile Terrestrial System. Es handelt sich um ein Standard-Breitbandsystem (''3G'') für mobile Kommunikation - ein Nachfolger des GSM-Systems, das von den Mobil-Anbietern in der Tschechischen Republik verwendet wird.

Wie und warum erobern die DECT 6.0 den europäischen Markt?
Früher haben Endbenutzer privat, während Geschäftsreisen, DECT-Geräte in Amerika eingekauft. Mit der Entwicklung des Internet-Marktes hat sich aber die Möglichkeit des direkten Einkaufens in amerikanischen E-Shops (einige E-Shops haben eine begrenzte Geschäftspolitik mit Europa) erweitert, manchmal werden sogar amerikanische Produkte direkt in einem europäischen Steingeschäft verkauft.

Der Grund für das erhöhte Interesse an den DECT 6.0 Geräten ist der Preis - sie sind Konkurrenzfähig. Der Hauptgrund aber für die Verbreitung dieser Geräte ist ihre Kennzeichnung, sie erweckt im Verkäufer und auch im Kunden den Eindruck einer neueren Version des DECT Systems (auf diese Weise werden z. B. neuere Softwareversionen gekennzeichnet...).

Befunde und Maßnahmen der Tschechischen Handelsinspektion (THI)
Auf dieses Problem hat schon im Jahre 2010 ein irisches Aufsichtsorgan hingewiesen - es war während des internationalen Meetings - ADCO RTTE. Dank diesem Hinweis wurde auf dem Markt in der Tschechischen Republik ein bedeutender Anteil dieser Geräte ausfindig gemacht.

Ein Angebot von DECT 6.0 Marken-Schnurlos-Telefonen und Headsets haben die Inspektoren direkt in klassischen Geschäften gefunden - die Geräte wurden von autorisierten Händlern vertrieben. Spätere Kontrollen haben gezeigt, dass es sich hierbei um das europäische DECT handelte, der autorisierte Händler hat als Marketingzug die Bezeichnung 6.0 gewählt, weil er falsch angenommen hatte, das es sich um eine neue Version des europäischen DECT handelt - die Endverkäufer haben dann seine Kennzeichnung übernommen. Die THI hat in diesem Fall Schritte unternommen, um die Fehlkennzeichnung zu beseitigen.

Es wurde aber auch ein Internet-Vertreiber gefunden, der die Vermittlung der DECT 6.0 Telefone direkt aus Amerika kund gegeben hat. Der Vertreiber wurde von der THI kontaktiert, gewarnt und hat dann selber Schritte unternommen, so dass die Geräte nicht mehr in die Tschechische Republik importiert worden sind. Das Internetgeschäft selber wird jedoch von einem anderen Subjekt betrieben, das die DECT 6.0 Geräte immer noch nicht aus dem Angebot herausgenommen hat. Die Kontrollen werden deshalb weitergeführt.

Internationale Aktivitäten der THI in Zusammenarbeit mit dem Tschechischen Telekommunikations-Amt (TTA)
Auf der letzten ADCO RTTE Sitzung im März 2011 hat die Tschechische Republik über ihre Befunde informiert und hat darauf auch Schritte eingeleitet, die die DECT/DECT 6.0 Kennzeichnung so ändern sollen, dass sie detaillierter über die Anwendung in verschiedenen Regionen informieren wird - z. B. DECT EU/DECT US.

Empfehlungen der THI:
Die empfohlenen Änderungen in der Kennzeichnung und die Besserung des Standes auf dem Markt sollte man jedoch nicht sofort erwarten - dies benötigt einen längeren Zeitabstand. Aus diesem Grund empfiehlt die THI allen Verbrauchen, die an DECT-Geräten interessiert sind, sich genauestens über die Frequenz zu informieren, die die Geräte verwenden - Geräte mit DECT 6.0-Kennzeichnung sollten nicht gekauft werden.

Außer der Störungen auf Grund der verwendeten Frequenz, kann es bei DECT 6.0-Geräten auch zu Problemen an der Schnittstelle mit dem Festnetz kommen - die amerikanische kann sich von der tschechischen, ggf. europäischen unterscheiden. Laut Richtlinie 1999/5/ES (NV 426/2000 Sb.) hat der Hersteller oder Importeur die Pflicht zu informieren, an welche Netze ein Gerät angeschlossen werden kann.

Bemerkung:
Außer der amerikanischen Version DECT 6.0 gibt es noch eine weitere Variante für Lateinamerika - sie funktioniert auch in dem für Europa nicht benutzbaren Frequenzband 1910 - 1930 MHz. Der Verkauf oder die Existenz dieser Geräte wurde jedoch in der Tschechischen Republik nicht erwiesen.
Abb.: Beispiele der Anwendung von DECT und DECT 6.0.

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